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Demokratische Institutionen funktionieren nur, wenn die Menschen an sie glauben.

Bilder von Menschen zu sehen, die das US-Kapitol stürmen, um die Bestätigung der letzten Präsidentschaftswahlen in Frage zu stellen, war beunruhigend, aber nicht überraschend. In den letzten Jahren haben Amerikaner, die im Ausland leben, die Erfahrung gemacht, regelmäßig von beunruhigenden Schlagzeilen aus den USA aufzuwachen – und die Nachrichten mit einer “Nichts überrascht mich mehr”-Mentalität aufzurufen.

Ich gebe zu, dass ich den Glauben an das demokratische System verloren hatte, das die Vereinigten Staaten in den letzten Jahrhunderten so hart aufgebaut und erhalten haben. Wie viele Menschen, die von außen auf das Geschehen blicken, war ich verwirrt, als ich Zeuge wurde, wie das mächtigste demokratische System der Welt scheinbar auseinanderfiel. Unsere Regierung war zum Gegenstand weit verbreiteten Spottes geworden.

Erst bei den Präsidentschaftswahlen 2020 in den USA gewann ich ein Gefühl der Hoffnung und des Stolzes auf mein Heimatland zurück. Die Wahlbeteiligung erreichte ein Rekordhoch. 160 Millionen meiner Mitbürger fühlten sich gezwungen, von ihrem demokratischen Recht Gebrauch zu machen, sich Gehör zu verschaffen, im Vertrauen darauf, dass ihre Stimme einen Einfluss auf die zukünftige Richtung Amerikas haben würde. Das Wahlergebnis zu sehen, war etwas Wunderschönes und trieb mir ehrlich gesagt die Tränen in die Augen.

Demokratische Institutionen funktionieren nur, wenn die Menschen an sie glauben.

Ich bin im Grunde meines Herzens ein Optimist und denke, dass das Aufzeigen der vielen Risse in Amerikas Fundament als Anstoß dienen wird, diese langjährigen Herausforderungen frontal anzugehen. Es ist für jeden offensichtlich, dass es Arbeit gibt, die getan werden muss. Eine neue Regierung wird nicht alle unsere Probleme lösen, aber sie ist sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung.

Ein Gastkommentar der Amerikanerin und Menschenrechtsexpertin Elisabeth Aljalloud, Aachen